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Montag, 9. August 2021

Moore am Kaltenbronn erhalten

Moore am Kaltenbronn aus der Vogelperspektive

Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe entwickelt mit Partnern Konzept zur Moorrenaturierung

Gemeinsam mit dem Flächeneigentümer Forst Baden-Württemberg (Forst BW), der Landesforstverwaltung Baden-Württemberg und den Fachbehörden der Landratsämter, der Forstlichen Versuchsanstalt (FVA) und der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) entwickelt die Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe ein Konzept zur Renaturierung der Moore am Kaltenbronn. In die Konzeptentwicklung eingebunden sind außerdem die Kommunen, die Landkreise sowie die Verbände und die örtlichen Vereine. Im zurückliegenden Jahr fanden dazu jeweils mehrere Sitzungen des Projektbeirates und der Fach-Arbeitsgruppen statt. Weiterhin wurden bilaterale Gespräche geführt und die Situation der Moore, die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Renaturierung besprochen.

„Moorschutz ist aktueller denn je, weil Moore eine große Menge an Kohlenstoff binden. Damit dient Moorschutz nicht nur der langfristigen ökologischen Stabilität unserer Moore, sondern trägt auch zum Klimaschutz bei“, hebt Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder die Bedeutung der Moore hervor.

Nicht nur an heißen Tagen ist der hochgelegene, kühle Kaltenbronn im Nordschwarzwald ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel. Wer kennt nicht die phantastische Szenerie am Holohsee und Wildsee im Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn? Was für viele Erholungssuchende und Wanderer der Inbegriff einer urtümlichen und natürlichen Moor-Landschaft ist, ist für Moorkundler ein Alarmzeichen für ein geschädigtes Ökosystem, denn die Hochmoore am Kaltenbronn haben mit Wassermangel zu kämpfen. Die einst ausgedehnten, offenen Moorflächen schrumpfen seit langem und werden von Gehölzen überwachsen. Die Moore am Kaltenbronn sind daher in einem zunehmend ökologisch ungünstigen Zustand, so dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.

Naturnahe Moore erfüllen wichtige Leistungen für einen intakten Naturhaushalt und sind weit mehr als nur ein Naturgenuss für Menschen. Naturnahe Moore bieten beispielsweise Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen, die mit erstaunlichen Überlebensstrategien an die extremen Lebensverhältnisse im Moor angepasst sind und nur dort überleben können. Moore saugen außerdem Wasser wie ein Schwamm auf. Diese Speicherfunktion dient dem Hochwasserschutz, da das Wasser nur nach und nach in das umliegende Gewässersystem fließt. Moore sind außerdem Archive der Natur- und Kulturgeschichte, weil sie es ermöglichen, über Pollenanalysen Einblicke in vergangene Zeiten zu geben.

Bis am Kaltenbronn die Renaturierung beginnt, wird jedoch noch einige Zeit vergehen: Zunächst werden weitere Untersuchungen durchgeführt, auf deren Grundlage konkrete Maßnahmenvorschläge erarbeitet werden. Diese umfassen hydrologische Aspekte sowie natur- und artenschutzfachliche Belange. Ebenso werden die Interessen am Kaltenbronn als Sport- und Erholungsraum in die Gesamtbetrachtung miteinbezogen. Zur Realisierung und Finanzierung des Projektes soll im Spätherbst 2021 ein Antrag über das europäische Förderinstrument LIFE-Natur beantragt werden, worüber die Europäische Union in 2022 entscheiden wird. Bei einem positiven Ergebnis kann anschließend das Vorhaben weiterentwickelt und anschließend umgesetzt werden.

Hintergrundinformationen

Woher kommt der Wassermangel in den Mooren am Kaltenbronn?
Mehrere Gutachten namhafter Moorkundler bestätigen, dass der Grund für den ungünstigen Zustand der Moore am Kaltenbronn der Wassermangel wegen eines umfassenden Entwässerungssystems ist. Seit dem 18. Jahrhundert wurden Entwässerungsgräben angelegt, die bis heute wirken und Wasser aus dem Moor ableiten. Es wurden viele Kilometer lange Gräben angelegt, um die Moore trockenzulegen und für den Waldbau nutzbar zu machen. Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man dann die forstwirtschaftlich nur mäßigen Erfolge und stellte die Bauarbeiten ein. Die Entwässerungsgräben bestanden jedoch fort und führen noch heute – 250 Jahre später – Wasser in die Täler ab. Die Folge ist, dass den Mooren lebensnotwendiges Wasser verloren geht und sie nach und nach trockenfallen. Die Torfmoose vertrocknen und das Moorwachstum bleibt aus. Die Moore verlieren damit ihre wichtigen Funktionen für den Naturhaushalt. Kiefern, Birken und Fichten bewachsen zunehmend die einst offenen Moorflächen. Im Wildseemoor sind nur rund 6 %, im Hohlohmoor nur rund 3,5 % der ursprünglichen Fläche noch mehr oder minder offen. Dichtes, hochwüchsiges Kiefern-Krummholzgebüsch erstreckt sich mittlerweile bis in die Zentren der Moore.

Welche Ziele verfolgt das Projekt der Moorrenaturierung am Kaltenbronn?
Ziel des Projektes ist die Erhaltung und Entwicklung der ausgedehnten Moore im Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn. Die Renaturierungsmaßnahmen müssen dafür sorgen, dass das Wasser im Moor zurückgehalten wird. Die bereits vor Ort bestehenden Angebote der Öffentlichkeits- und Umweltbildungsarbeit sollen im Rahmen des Projekts erweitert und verstärkt werden. Für Naturinteressierte und Erholungssuchende soll das Naturerlebnis weiterhin bestehen bleiben.

Das Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn gehört zum europäischen Naturerbe
Der Kaltenbronn ist landschaftlich sowie natur- und artenschutzfachlich eine große Besonderheit. Er ist Lebensraum einer beträchtlichen Anzahl von spezialisierten und geschützten Tier- und Pflanzenarten und steht deshalb in Teilen unter mehrfachem Schutz (Natur- und Waldschutzgebiet, Fauna-Flora-Habitat- (FFH) und Vogelschutzgebiet, Bannwald und Schonwald). Bereits vor etwa 100 Jahren wurden erste Schutzgebiete am Kaltenbronn ausgewiesen. Mit einer neuen Verordnung im Jahr 2000 stellten Natur- und Forstverwaltung die betreffenden Teile des Kaltenbronns dann gemeinsam unter einen umfassenden nationalen Schutz. Das heute bestehende Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn liegt im Staatswald (ForstBW). Es umfasst den Hohlohsee und den Wildsee mit umliegenden Moorflächen und Moorwäldern und kombiniert den Schutz der Moore und des Waldes. Mit der Integration als Teil des FFH-Gebietes Kaltenbronner Enzhöhen und dem Vogelschutzgebiet Nordschwarzwald in das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000, gehört es seit fast 20 Jahren auch zum europäischen Naturerbe.